Kann weniger manchmal nicht auch mehr sein?

Traumausrüstung. Traumkamera. Begriffe, die häufiger genannt werden. Doch was könnte damit gemeint sein? Das Mittelformat mit seinen Möglichkeiten? Eine schicke analoge Leica oder gar die digitale Schwester der begehrten Marke? Die klobige Profikamera, das “Flaggschiff” eines Herstellers, das für die harten Arbeitsbedingungen des Berufsfotografen konzipiert ist?


Tatsächlich scheint es so, dass gerade diese Kameraboliden, die schweren Gehäuse, an die ein zusätzlicher Batteriehandgriff (natürlich mit Hochformatauslöser) angeschraubt wurde oder auch gleich ins Gehäusekonzept integriert ist, bei Laien besonders begehrt zu sein, Und diese Profi-Gehäuse haben ja auch in der Tat vieles zu bieten. Abblendtaste sowie Anschlüsse für Studioblitz und Fernauslöser gehören hier zum Standard. Ebenso wie ultrakurze Verschlusszeiten und ein gewaltiger Zwischenspeicher. Logisch, dass zudem die Bilder in beeindruckendem Tempo auf den Speicherkarten abgelegt werden. Dennoch stellt sich die Frage, was davon vom Laien wirklich gebraucht wird?

Natürlich haben diese Gehäuse einen gewissen Aha-Effekt! Ebensogut kann es jedoch sein, dass manch ahnungsloser Bewunderer sehr bald über das gewaltige Gewicht entsetzt ist. So habe ich schon mehrmals auf Kampfsportlehrgängen erlebt, dass meine Gehäuse weiblichen Sportlern - zumal dann, wenn sie zusätzlich mit einem lichtstarken Tele-Zoom bestückt wurden-, schlichtweg zu schwer waren. Könnte hier also nicht ein leichteres Gehäuse oder zumindest der Verzicht auf den Batteriehandgriff (gute Akkus halten heute sehr lange, so dass die zusätzlich Energiereserve gar nicht so häufig gebraucht wird!) die logische Konsequenz sein? Gespartes Geld, das vielleicht in eine tolle Optik investiert wird!? Denn ein Profigehäuse, an das ein billiges Plastikobjektiv geschraubt wird, macht nun mal wenig Sinn!

Andererseits kann für denjenigen, der häufig(er) draußen fotografiert, der Einstieg in die „Oberklasse” natürlich guten Sinn machen. Denn hier sind die Gehäuse in der Regel so konzipiert, dass sie Stöße und Rempler mühelos aushalten und nicht gleich bei den ersten Regentropfen den Dienst quittieren. Letztendlich muss also jeder die Entscheidung für sich selbst treffen. Dennoch sollte eine Kamera niemals nach dem “Will-ich-haben-Prinzip” gekauft werden. Vielmehr macht es Sinn, zu überlegen, was man braucht und was man von (s)einem Modell erwartet. Denn die Fotos macht immer noch die Person hinter dem Sucher. So trifft man auch unter Berufsfotografen immer wieder Kollegen, die “nur” ein Mittelklassemodell im Gepäck haben!

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