Faszination Mittelalter


Nun öffnen sie wieder ihre Pforten. Die Burgfeste und Mittelaltermärkte. Gaukler laden zum Tanz, Kräuterweiblein vermarkten ihre Ware und Wahrsagerinnen deuten uns die Zukunft. Ein Treiben wie aus längst vergangenen Tagen. Eine Zeitreise, bei der auch die Familie nicht zu kurz kommt. Vor allem die Jüngsten sind mit Feuereifer bei der Sache, bestaunen die Schwertkämpfe der Recken und fühlen sich Robin Hood ganz nahe, wenn beim Bogenschießen für Kinder der Pfeil sein Ziel trifft. Zeit für uns, ein wenig zu flanieren. Schließlich sollte doch auch der ein oder andere Schnappschuss „inklusive” sein!?

In der Regel wird Fotografieren auch gar kein Problem sein. Zumindest dann, wenn man am Einlass (wo in der Regel auch ein „Wegezoll” erhoben wird) höflich gefragt hat. Wobei sich beim gelungenen Schnappschuss „zwei Seelen in meiner Brust streiten”. Das jedenfalls schreibt Günter Richter („Tips und Tricks für bessere Bilder”), der zum einen zu langen Brennweiten tendiert, „die quasi ein Fischen im Trüben gestatten”, aber auch kurze Brennweiten für das blinde „Schnappschießen” aus kurzem Abstand mag. Und in der Tat haben beide - leichtes Tele wie auch Normaloptik -, in diesem bunten und lebhaften Treiben ihre Bedeutung. So wird man bei Vorführungen häufig gar nicht auf (s)ein Teleobjektiv verzichten wollen/können, da man nur so nahe genug ans Geschehen heran kommt. Zudem neigen Teleobjektive dazu, die Bildaussage zu „verdichten”. Ein unruhiger Hintergrund verschwimmt (auch in Abhängigkeit davon, wie weit das Objektiv aufgeblendet wird) zur Unkenntlichkeit, während nur die agierende Person scharf und formatfüllend im Bild ist.
Auf der anderen Seite kann es auch schön sein, wenn möglichst viel von jener bunten Atmosphäre mit ihren vielfältigen Eindrücken mit aufs Bild kommt. Wofür dann eine Normaloptik oder gar die leichte Weitwinkelposition eines Zoomobjektivs geradezu prädestiniert ist. Natürlich müssen wir dann aufpassen, dass Proportionen und Nasen nicht verzerrt werden. Also auch nicht zu nahe an die Porträtierten heran rücken!
Für den, der freundlich nachfragt, wird sich dann womöglich sogar eine ganze Wikinger-Familie in Positur werfen …
Apropos „Fragen” und „Höflichkeit”: Auch dann, wenn Akteure auf größere Distanz mit einem Teleobjektiv porträtiert wurden, erfordern es natürlich Fairness und guter Ton, dass man die Aussteller (zumindest im Nachhinein, wenn das Bild und die vielleicht unwiederbringliche Szene „im Kasten” sind!) anspricht und ihnen ihr Abbild zeigt. Denn zum einen werden die natürlich - trotz Tele - unser Tun bemerkt haben!Wer dann noch verspricht, ein Foto zu mailen (und ggf. auch Belegexemplare zusendet), dem werden willige Modelle niemals ausgehen. So kommt es häufiger vor, dass ich im nächsten Jahr angesprochen werde, weil mich ein Händler als Fotograf wiedererkannt hat. Und das liegt dann nicht allein an der klobigen Nikon und daran, dass ich als Zeitungsreporter unterwegs bin!
Foto: Hoffmann


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