Zauber des Gegenlichts

Früher glaubte man, die Sonne müsse im Rücken des Fotografen stehen, damit gute Bilder zustande kommen. Das ist heute eher eine Binsenweisheit, obwohl das so genannte Auflicht (bei dem die Oberfläche des fotografierten Objektes angestrahlt wird) nach wie vor zu den Standardbeleuchtungsszenarien der Fotografie zählt.
Heute jedoch wissen wir, dass auch Streiflicht, das von der Seite kommt und feinste Konturen auf Gegenständen heraus arbeitet, seine ganz spezifischen Eigenarten und Vorzüge hat. Nutzt man dieses Licht bei Porträts, dann hat das zudem den Vorteil, dass Hautstrukturen/Hautunreinheiten wenig(er) auffallen. Zudem werfen Accessoires keine unschönen Schlagschatten auf das hübsche Model.
Gegenlicht, das von hinten auf das Motiv scheint, bringt dagegen Blätter und Blüten regelrecht zum Leuchten. Die Mähne eines Pferdes oder die langen Haare eines Mädchens erstrahlen in einem ganz besonderen Licht. Doch Obacht, dass Reflexionen nicht alles kaputt machen!
Am besten arbeitet man mit so genannten Gegenlichtblenden, die nicht umsonst auch Sonnen- oder Streulichtblende genannt werden. Die verhindern, dass zu viel Streulicht auf den Sensor bzw. den Filmstreifen gelangt und schützen zudem - ein angenehmer Nebeneffekt -, das empfindliche Glas des Objektivs vor Remplern und Stößen. Jedenfalls dann, wenn es sich um einen starren Tubus aus Hartplastik handelt. Gummigegenlichtblenden sind daher für Außeneinsätze weniger zu empfehlen …
Doch zurück zum Spiel mit dem Licht: Bei direktem Gegenlicht, das frontal ins Objektiv knallt, ist natürlich auch eine Gegenlichtblende machtlos. Das heißt: Wir müssen unseren Standpunkt so weit verändern, bis die Lichtquelle nicht mehr frontal in unser Gesicht scheint. Dennoch bleibt das Problem, dass die Belichtungsautomatik der Kamera von der Situation genarrt wird.
Meist fallen die Bilder zu dunkel aus. Damit das Motiv auch tatsächlich in Farbe und nicht mehr oder minder als Scherenschnitt abgebildet wird, muss also stärker belichtet werden, als es die Standard-Automatik vorgibt. Einige Hersteller haben daher spezielle Programme und Knöpfe, die für das Spiel mit dem Gegenlicht konzipiert sind. Ansonsten helfen auch Belichtungsreihen, wobei dann im Nachhinein das beste Foto ausgewählt wird.
Freilich kann man, jenseits aller technischen Möglichkeiten, Fotos auch im Handbetrieb um ein oder zwei Blendenstufen reichlicher belichten: Angenommen, die Automatik zeigt eine Belichtung von 1120 Sekunde bei Blende 16. Dann können wir entweder die Zeit beibehalten, jedoch das Objektiv auf Blende 8 öffnen. Oder aber wir fixieren die Blende, belichten aber reichlicher, will meinen mit 160 Sekunde. Der Effekt bleibt sich gleich, und ein zu dunkles Fotos wird vermieden!

Im ersten Foto werden die feinen Äderchen und Strukturen des Blattes durch eine Lichtführung schräg von der Seite besonders deutlich hervor gehoben …

… beim zweiten Bild wurde das Blatt, das auf einer Glasscheibe ruhte, von hinten beleuchtet und zum Strahlen gebracht. Dabei wurde reichlicher belichtet, als es die Kamera vorgab, um ein zu dunkles Foto zu vermeiden!

Fotos: Hoffmann


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